
Keramik- oder Titanimplantat?
Autor: Dr. med. dent. Meike Knott
Veröffentlicht: 31.05.2026
Lesezeit: 10 Min.
Welches Implantat-Material passt zu Ihnen?
Im folgenden Beitrag durchleuchten wir die Anforderungen an das Material eines Zahnimplantats und gehen anschließend auf die in der modernen Zahnmedizin verwendeten Materialien ein. Nach diesem Beitrag kennen Sie die Vor- und Nachteile von Titan- und Keramikimplantaten und können abschließend eine Präferenz für Ihren persönlichen Fall wählen.
Welche Voraussetzungen stellen wir an die Eigenschaften von Implantat-Material?
Zahnimplantate müssen körperverträglich (biokompatibel) sein und fest in den Kieferknochen einwachsen können - man nennt diesen Vorgang auch Knocheneinbindung (Osseointegration). Material das sich in der modernen Zahnmedizin durchgesetzt hat besteht entweder aus Titan (genau genommen aus einer Titanlegierung der Klassen 4 oder 5) oder aus Keramik (Zirkoniumdioxid, abgekürzt Zirkonoxid). Beide Materialien sind körperverträglich und wachsen fest in den Kieferknochen ein.
Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Ästhetik und den Kosten. Zudem ist die aktuelle Studienlage noch ein nennenswerter Punkt.
In unserer Praxis in Ingolstadt setzen wir Keramik & Titan Implantate ein. Dabei klären wir gemeinsam mit Ihnen an Hand Ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte, Ihrer momentanen Knochensituation sowie Ihren Wünschen welches Implantatmaterial am besten für Sie geeignet ist.
Der direkte Material-Vergleich
Kriterium | Titan | Keramik (Zirkonoxid) |
|---|---|---|
Wissenschaftliche Datenlage | über 60 Jahre umfangreicher Langzeitdaten [1] | 10–15 Jahre noch begrenzter Langzeitdaten [3] |
Erfolgsrate (5+ Jahre) | über 95 % [1] | ca. 95 % [3] |
Biokompatibilität | exzellent: Allergien bei unter 1 % [2] | exzellent: keine Allergien bekannt |
Ästhetik | gut, jedoch graues schimmern möglich bei dünnem Zahnfleisch | sehr gut, unauffällig dank natürlich weißer Farbe |
Knocheneinbindung | zuverlässig und schnell bis zu drei Monate | vergleichbar |
Stabilität | biegsam unter Belastung, damit sehr stabil | Risiko bei Überbelastung zu brechen, da spröderes Material |
Bauform | immer zweiteilig (Implantat-Körper + Abutment) | ein- oder zweiteilig |
GVK-Festzuschuss | ja | ja, gleich wie bei Titan |
Das Titanimplantat im Überblick
Titan wird seit über 60 Jahren mit großem Erfolg in der Medizin eingesetzt. Seitdem wurde es in vielen verschiedenen Langzeitstudien erforscht und konnte immer weiter optimiert werden. Hier sind für Sie einmal die Vorteile kurz Zusammengefasst.
Langlebig: Studien über 20 Jahre zeigen Überlebensraten von über 90 %. [1]
Stabil: Titan ist ein duktiles Material bei Belastung, dass heißt es ist außerordentlich robust und trotzdem biegsam. Das ein Titanimplantat bricht passiert nur in seltenen Ausnahmefällen.
Vielschichtig einsetzbar: Titan ist für verschiedene Versorgungstypen einsetzbar, darunter fällt das Einzelimplantat, die Brücke sowie All-on-X und Prothetik aller Art.
Wann kann Titan problematisch sein?
Eine geringe Anzahl an Patienten reagiert empfindlich auf die feinen Titanpartikel welche durch Abrieb beim Eindrehen des Implantats in den Knochen freigesetzt werden können. Wohingegen eine tatsächliche Titan-Allergie wohl kaum bei Patienten festgestellt werden kann. Laut einer Studie konnte bei weniger als 1 % der Patienten mit Symptomen eine Titan-Allergie nachgewiesen werden. [2]
Wenn das Zahnfleisch zurückgegangen oder sehr dünn ist, kann beim Lächeln Titan sichtbar durch das Zahnfleisch im Frontzahnbereich werden. Viele Patienten entscheiden sich hierbei für die ästhetischere Lösung welche mit seinem natürlich erscheinenden weiß nicht ins Auge sticht. Das Keramikimplantat ist hier durchaus eine sinnvolle Alternative.
Veröffentlicht: 31.05.2026
Autor: Dr. med. dent. Meike Knott
Das Keramikimplantat im Überblick
Das Keramikimplantat wird seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich in der Zahnmedizin verwendet und findet seit geraumer Zeit dank seinem natürlich erscheinenden Weiß hohen Anklang bei Patienten. Zudem ist das Zirkoniumdioxid (Zirkonoxid) aus welchem Keramikimplantate bestehen ein robustes Material. Weitere Vorteile für ein Keramikimplantat sind für Sie hier kurz Zusammengefasst.
Nahezu metallfrei: Patienten mit einer Empfindlichkeit gegenüber Titan haben mit Keramik eine sehr gute Alternative. Häufig greifen Patienten auch zu Keramik weil sie eine metallfreie Option wünschen.
Ästhetisch: Wo Titan in einem unnatürlichen grau durch das Zahnfleisch im Frontzahnbereich sichtbar werden kann, da erscheint das Keramik in seinem natürlichen weiß als unsichtbar. Damit ist es definitiv die ästhetischere Lösung.
Was spricht gegen Keramik?
Keramikimplantate haben auch Nachteile gegenüber Titanimplantaten, folgendes sollten Sie darüber wissen.
Weniger wissenschaftlich erforscht: Auf einem guten Weg mit sehr guten Langzeitdaten bei Überlebensrate von 95,1 % über ein Jahrzehnt [3] ist das Keramikimplantat definitiv ein ebenwertiger Konkurrent, jedoch ist es lange noch nicht so breit untersucht wie das Titanimplantat.
Stabilität: Zirkoniumdioxid kann bei extremer Belastung brechen, da es ein sprödes Material ist. Extreme Belastungen können auftreten bei sehr starkem Zähneknirschen. Anschließend muss erneut eingegriffen, das Implantat entfernt und ein neues eingesetzt werden.
Einteilige Bauform: Bei den Keramikimplantaten der ersten Generation sind Körper und Aufbau des Implantats ein festes Teil. Das kann zu Komplikationen bei der prothetischen Versorgung führen und begrenzt die chirurgische Flexibilität. Zwar gibt es bereits zweiteilige Keramik-Systeme welche dieses Problem lösen, jedoch stehen sie aber noch nicht bei allen Indikationen zur Verfügung.
Finanziell: Keramikimplantate sind teurer als Titanimplantate. Der Preis für ein Keramikimplantat überschreitet den des Titanimplantats um etwa ein Drittel.
Mit welchen Implantat-Systemen arbeiten wir?
In unserem Haus arbeiten wir ausschließlich mit empirisch bewährten Implantat-Systemen hergestellt und geprüft in Deutschland. Dabei setzen wir bei Titan- sowie Keramikimplantaten auf die Systeme von Camlog.
Bei den Titan-Systemen von Camlog stützen wir uns auf die umfangreichen Langzeitdaten und das breite prothetische Portfolio.
Bei Keramikimplantaten nutzen wir ausschließlich moderne zweiteilige Keramik-Systeme der neueren Generation, da diese mehr Flexibilität bieten als einteilige Systeme.
Welches System bei Ihnen infrage kommt ist abhängig vom Befund, sowie Ihrer Knochensituation und dem geplanten Zahnersatz. Falls Sie sich nur schwer für ein System entscheiden können, stehen wir Ihnen gerne für eine Beratung zur Seite.
Welches Material passt besser zu Ihnen?
Hier nochmal das wichtigste kurz für Sie zusammengefasst. In einem persönlichen Beratungsgespräch klären wir abschließend gemeinsam welches Material für Ihre persönliche Mundsituation kompatibel ist.
Titan ist für Sie richtig, bei …
einer Brücke oder einer All-on-X-Versorgung,
einer Versorgung im Seitenzahnbereich weil dort höhere Belastung stattfindet und die Ästhetik weniger relevant ist.
Keramik ist für Sie richtig, bei …
einer nachgewiesenen Titan-Empfindlichkeit - LTT-Test positiv,
einem Wunsch einer metallfreien Versorgung,
Versorgung im Frontzahnbereich wenn Sie einen hohen ästhetischen Anspruch haben,
Bereitschaft die Mehrkosten und die weniger erforschte Studienlage in Kauf zu nehmen.
Persönliche Empfehlung: Für Patienten die auf Nummer sicher gehen wollen ist Titan die beste Wahl. Eine Keramik-Versorgung empfehlen wir bei Titan-Empfindlichkeit, sehr hohen ästhetischen Ansprüchen oder dem Wunsch nach einer metallfreien Versorgung. In einem persönlichen Beratungsgespräch gehen wir im Detail auf Ihre persönlichen Fragen ein.
Versorgungstyp | Ungefähre Preisspanne |
|---|---|
Einzelne Krone (Keramik) | 500 € - 1.500 € |
Brücke (3 Glieder) | 1.500 € - 2.800 € |
Implantat mit Krone | 2.500 € - 4.500 € |
Locatorprothese | 4.000 € - 10.000 € |
Stegprothese | 6.000 € - 12.000 € |
Teleskopprothese | 3.000 € - 8.000 € |
Lachgassedierung | 180 € / Stunde |
Analgosedierung | 90 € - 250 € |

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